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am 17. Mai

Wien wächst – muss das sein?

Hannes Lager - Speziell in der Donaustadt erleben die BürgerInnen hautnah, dass es starken Zuzug nach Wien gibt. Die gängige politische Antwort auf dieses Phänomen von Rot und Grün ist das verstärkte Bereitstellen von leistbarem Wohnraum.

Diese Vorgangsweise bewirkt, dass die Mieten in Wien im noch leistbaren Rahmen bleiben, vor allem verglichen mit anderen europäischen Metropolen. Und ja, das ist sozialpolitisch das richtige Vorgehen. Und auch ökologisch richtig, denn die Alternative ist ein weiteres Anwachsen der Gemeinden um Wien und damit auch erhöhtes Mobilitätsbedürfnis und noch mehr Tagespendlertum.

ATTRAKTIVES WIEN

​Was aber, wenn wir innehalten und das Phänomen breiter betrachten? Denn warum wird es als gegeben betrachtet, dass Wien wächst? Zunächst ist das ja etwas Positives, denn es beweist die Attraktivität Wiens. Große Städte – vor allem wenn sie es schaffen eine gute medizinische Versorgung, einen funktionierenden öffentlichen Verkehr sowie leistbare Bildung bereitzustellen – haben eine Anziehungskraft, die sich selbst nährt und immer stärker wird je größer die Städte werden.

Diese Anziehungskraft kritisch zu hinterfragen macht natürlich keine Stadtverwaltung, weil dieses Wachstum ja Bestätigung des eigenen Strebens nach optimalen Verhältnissen darstellt. Verständlich. Aber ich denke es ist doch notwendig, die Hintergründe zu erforschen und diese zu verändern.

WARUM ALSO ZIEHEN MENSCHEN NACH WIEN

​Wenn wir uns die persönlichen Geschichten ansehen, die wir kennen, dann kommen die meisten wegen Arbeit oder Studium nach Wien, finden einen Job,​ eine Wohnung, eine/n Lebenspartner_in und bleiben sozusagen picken. Viele sehnen sich schon nach der Gegend, in der sie aufgewachsen sind zurück, weil sie ihrer Heimatgemeinde verbunden sind. Aber dort gibt es keine Arbeitsplätze. Wenn es nicht zu weit ist, und der Baugrund leistbar (oder zumindest wesentlich leistbarer als in Wien) ist, wird ein Haus gebaut und dann beginnt ein Pendlerdasein. Menschen verbringen jeden Tag 2 Stunden und mehr im Auto um diese Distanz zu überbrücken.

ARBEITSPLÄTZE IN BUNDESLÄNDERN SCHAFFEN

Was wäre, wenn es im Waldviertel, im Südburgenland, in der östlichen Steiermark verstärkte Jobangebote gäbe? Es pendelt ja niemand gerne und verbringt Stunden über Stunden mit Wegzeit. Das Ziel sollte also neben der Investition in günstiges Wohnen vor allem mehr Investitionen in die Entwicklung des ländlichen Raumes sein.​

Am Beispiel Niederösterreichs sehen wir, dass genau das nicht passiert, sondern alle Energie und viel, viel Geld in den Ausbau des Straßennetzes gesteckt wird. Scheinbar sind alle zufrieden damit, dass Arbeitskraft nach Wien abwandert und die Kaufkraft in Shopping Center, die die Gegend verschandeln und noch mehr Verkehr erzeugen. Da liegt das Problem und es wird Zeit, dass die umliegenden Bundesländer verstärkt an der Attraktivität ihres Arbeitsplatzangebotes arbeiten.