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am 14. Dezember 2020

Stadtstraße Aspern – Eine Frage der Dimension

Manfred Zlamala, Wolfgang Orgler - Bereits im ersten Ausschuss für „Innovation, Stadtplanung und Verkehr“ des neugewählten Gemeinderats stand die Stadtstraße auf der Tagesordnung. SPÖ/NEOS warteten keine Sekunde, um knapp EUR 100 Mio. dafür freizugeben, als wäre dieses Projekt das wichtigste unserer Stadt. Wie passt ein Straßenprojekt in dieser Ausgestaltung in den Zielpfad eines Klimabudgets, wie hält es einem Klimacheck stand?

Eine Redimensionierung und neue Planungen unter Berücksichtigung von Flächenverbrauch und Klimarelevanz wären die Antwort. Genauso wichtig sind verkehrsberuhigende Maßnahmen in den alten Ortskernen selbst.

Fakten und Zahlen

Die Gesamtlänge der geplanten Verbindungsstraße zwischen Seestadt Aspern und der A23 bei Hirschstetten beträgt 3,2 km. Auf dieser kurzen Strecke sind zwei Tunnels in der Länge von 0,79 km bzw. 0,55 km geplant.

Die Stadtstraße ist nichts andres als die geplante Fortsetzung der S1-Autobahnabfahrt Spange Seestadt, die wiederum Teil der von den Grünen vehement abgelehnten Lobauautobahn wäre.

Die Plankosten der Stadtstraße werden mit EUR 435 Mio. EUR beziffert, das sind ca. EUR 136.000,-- pro Meter! Das entspricht ca. 17 Jahren Radverkehrsbudget (lt. aktuellem Koalitionsabkommen) oder bis zu 50.000 Bäumen im Straßenraum.

Die geplante Dimension

Das eingereichte Projekt sieht vier Fahrstreifen mit nur einer einzigen Ampelquerung vor, also eine Quasi-Autobahn. Es entspricht somit keiner ressourcenschonenden und umweltgerechten Gestaltung. Wegen der großen Straßenbreite entstünde eine hohe Barrierewirkung, die Straße käme einer Schneise durch das Obere Hausfeld und Hirschstetten gleich. Mit der derzeitigen  Dimensionierung wäre die Stadtstraße der perfekte Einfüllstutzen in die geplante S1 Spange, der 4,5km langen Abfahrt von der Lobauautobahn, die wiederum Teil einer internationalen Transitroute von der Ostsee bis zur Adria ist.  Dadurch würde eine wahre Verkehrslawine nach Wien gespült und die Südosttangente massiv belastet.

Redimensionierung

Das aktuelle Projekt für die Stadtstraße geht auf eine viele Jahre alte Planung zurück. Heute müssen Flächenverbrauch, Klimarelevanz und Klimaziele, aber auch ein sich veränderndes Mobilitätsverhalten im Vordergrund stehen. Für die Anbindung der neuen Stadtentwicklungsgebiete in der Donaustadt an die A23 reicht eine Straße mit zwei Fahrstreifen, ohne Mittelstreifen und mehreren Ampelquerungen aus. Es braucht ein zusätzliches Gesamtkonzept für den öffentlichen Verkehr und die Beruhigung der alten Ortskerne. Radfahrer*innen und Fußgänger*innen müssen miteinbezogen werden. Ein entsprechender Antrag der Wiener Grünen im Gemeinderat wurde von der Stadtregierung abgelehnt.

Verkehrsberuhigende Maßnahmen in den alten Ortskernen

Die Planung und Budgetierung dieser Maßnahmen wurde ebenso im Gemeinderat von der Stadtregierung abgelehnt. Damit gemeint sind Rückbauten und damit eine gerechtere Verteilung der Verkehrsflächen. Die versprochene Entlastung der alten Ortskerne und anderer Gebiete in der Donaustadt ist daher nicht zu erwarten, wenn sich dieser zusätzliche Verkehr beim Einleiten in die Südosttangente zurückstaut oder die Autofahrer bereits vorher abfahren und wieder durch die zu entlastenden Gebiete fahren.