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am 21. Juni

Erinnerungen an Hainburg 1984

Elfriede Fröschl - Im Dezember 2019 jährt sich zum 35. Mal die erfolgreiche Besetzung der Hainburger Au! Bis zu 4000 Menschen besetzten bei teils eisigen Temperaturen den Auwald und verhinderten so dessen Zerstörung durch ein Kraftwerk. Im Mai 2019 wanderte ich mit über 100 AktivistInnen der Grünen in die Au.

Für mich persönlich ein Anlass für aufregende Erinnerungen an den Dezember 1984. Ich unterstützte damals, als junge Frau und Studentin, die Ziele der AubesetzerInnen und war selbst mehrmals in der Au. 

Der Weg von Zwentendorf in die Au

In den 1970er-Jahren entwickelte sich die Antikernkraftbewegung mit dem Slogan „Atomkraft Nein Danke“. Im November 1978 verhinderte ein Volksentscheid die Inbetriebnahme des bereits gebauten Atomkraftwerks Zwentendorf. Die österreichische Politik setzte daraufhin auf den Ausbau der Wasserkraft, so sollte bei Hainburg an der Donau ein Wasserkraftwerk entstehen. Dieses hätte die Hainburger Au, eine naturbelassene Flusslandschaft an der Donau, unwiederbringlich zerstört. Der Widerstand gegen das Kraftwerk begann Anfang der 1980er Jahre mit vereinzelten Protesten von Bürgerinitiativen und regionalen UmweltaktivistInnen. 

Vom Sternmarsch zum Weihnachtsfrieden

Kreative Aktionen - AktivistInnen verkleideten sich für eine Pressekonferenz als Tiere der Au - machten eine breite Öffentlichkeit auf die Besetzung aufmerksam. Dennoch wurde am 5.12.1984 stellte der damalige Naturschutz-Landesrat Ernest Brezovsky eine Bewilligung für den Bau des Kraftwerks aus. Der Weg für Rodungsarbeiten war frei. Am 8.12. 1984 kam es anlässlich eines Sternmarsches zu den ersten Aubesetzungen, die die Rodungsarbeiten verhinderten.

Am 19.12. wurde versucht die Au zu räumen, wobei es zu schweren Zusammenstößen kam, die auch Verletzte forderten. Am selben Tag demonstrierten in Wien ca. 40.000 Menschen, worauf vom damaligen Bundeskanzler Sinowatz der Weihnachtsfriede erklärt wurde. Der umstrittene Wasserrechtsbescheid der niederösterreichischen Regierung wurde aufgehoben und zwei Jahre später der Nationalpark gegründet. 

Von der Au in den Nationalrat

Was können wir aus dieser Geschichte lernen? Ziviler Ungehorsam, gepaart mit Kreativität und Mut, kann durchaus erfolgreich sein. Mit in der Au waren damals die Gründungsmitglieder der „Grünen Alternative“, die dann im Jahr 1986 erstmals in den österreichischen Nationalrat einzog. Über 30 Jahre später ist das Thema Umwelt jenes, das die Menschen am meisten bewegt. Dafür stehen die Grünen, sowie für soziale Sicherheit und Unbestechlichkeit. Von den kreativen Aktionen der AubesetzerInnen sollten wir lernen, ihnen ist es ohne digitale Medien gelungen, viele Menschen für ihr Anliegen zu mobilisieren. Nicht zuletzt soll uns die Besetzung der Hainburger Au auch ermutigen, die Untertunnelung des Nationalparks Lobau mit ungeahnten Folgen zu verhindern. 

Elfriede Fröschl
Ehemalige Aubesetzerin und Aktivistin bei den Grünen Donaustadt