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am 21. März

Straßennamen in der Seestadt – Teil 5

Andrea Pelzmann - Wie sieht es mit der Erinnerung an Frauen und ihre Leistungen aus? Straßenbezeichnungen sind ein Teil der gemeinsamen Erinnerung, der Stadtgeschichte. Aber nur ca. 11 % der nach Personen benannten Wiener Verkehrsflächen sind nach Frauen benannt. Erst nach 2012 wurden mehr Verkehrsflächen nach Frauen als nach Männern benannt.

Das Prominenteste Beispiel ist in der Donaustadt die Seestadt Aspern, wo fast alle Straßen an Frauen erinnern. Wir setzen fort mit der Biografie von Ilse Arlt.

Ilse Arlt (1876–1960)

Sozialwissenschaftlerin

Arlt gilt als Vordenkerin im Bereich der Sozialarbeit. 1876 wurde sie in Wien als Tochter eines Augenarztes und einer Malerin jüdischer Herkunft geboren. In ihrer Jugend besuchte sie Vorlesungen zu Sozialpolitik und engagierte sich im Sozialen Bildungsverein in Wien. Bei Versammlungen von Arbeiter*innen, in Betrieben und Elendsquartieren machte sie sich ein Bild vom sozialen Elend ihrer Zeit. Sie kam zur Erkenntnis, dass es – im Unterschied zu den großen technischen Fortschritten – im sozioökonomischen Bereich vor allem an grundlegendem Wissen fehlte.

Ilse Arlt

Ilse Arlt begründete daher eine eigenständige Fürsorgewissenschaft und eröffnete 1912 in Wien die erste Fürsorgeschule mit dem Namen „Vereinigte Fachkurse für Volkspflege“. 1938 untersagte man ihr aufgrund ihrer jüdischen Abstammung jegliche Lehrtätigkeiten. Die Schule wurde zwar 1946 nochmals eröffnet, musste jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten 1950 endgültig schließen. Ilse Arlt verstarb 1960 in Wien.

Quelle: Broschüre „Die Seestadt ist weiblich“