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am 13. März

Straßennamen in der Seestadt – Teil 3

Andrea Pelzmann - In unserem ersten Artikel zum Thema "Straßennamen in Wien" haben wir uns gefragt: Wie sieht es mit der Erinnerung an Frauen und ihre Leistungen aus? Straßenbezeichnungen sind ein Teil der gemeinsamen Erinnerung, der Stadtgeschichte. Aber nur ca. 11 % der nach Personen benannten Wiener Verkehrsflächen sind nach Frauen benannt.

Erst nach 2012 wurden mehr Verkehrsflächen nach Frauen als nach Männern benannt. Das Prominenteste Beispiel ist in der Donaustadt die Seestadt Aspern, wo fast alle Straßen an Frauen erinnern. Wir setzen fort mit der Biografie von Ella Lingens.

Ella Lingens

Juristin, Ärztin (1909 – 2002), Widerstandskämpferin

Ella Reiner wurde 1909 in das wohlhabende Wiener Bildungsbürgertum geboren. Ella studierte zunächst Jus und dann Medizin. Bereits früh engagierte sie sich für den Sozialismus.

1938 heiratete sie den Studienkollegen Kurt Lingens. Um das Ehepaar Lingens und den Psychoanalytiker Karl Motesiczky entwickelte sich eine antifaschistische Widerstandsgruppe. Sie versteckten eine junge Jüdin und organisierten die Flucht polnischer Juden in die Schweiz. Von einem Gestapo-Spitzel verraten, wurden alle drei 1942 verhaftet.

Für Ella Lingens und Karl Motesiczky folgte die Deportation nach Auschwitz, wo Motesiczky nach kurzer Zeit starb. Als Ärztin im Krankenrevier gelang es ihr, einige Juden vor dem Tod in der Gaskammer zu retten.

Nach dem Krieg erfolgte die Scheidung von Kurt Lingens. In den folgenden Jahrzehnten war Ella Lingens im Sozialministerium tätig und baute das österreichische Gesundheits- und Sozialwesen mit auf. Unermüdlich widmete sie sich zudem der Erinnerungsarbeit: Ihre Erfahrungen im Konzentrationslager erschienen 1948 unter dem Titel „Prisoners of Fear“. Im Auschwitz-Prozess 1964/65 sagte sie in insgesamt 22 Fällen aus. 1980 wurden Ella und Kurt Lingens von Yad Vashem mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Quelle: Broschüre „Die Seestadt ist weiblich“​​​