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am 2. Jänner 2017

Primärver­sor­gung neu und die Angst vor Veränderung

Webredaktion Grüne Donaustadt - Für Wiener PatientInnen soll es künftig mehr Primärversorgungszentren (Primary Health Care Center, PHC) mit einem umfassenderen Angebot und längeren Öffnungszeiten geben. Sie sollen vor allem die Spitalsambulanzen entlasten.

Es gibt mittlerweile erste erfolgreiche Projekte wie das PHC in Mariahilf. Dort betreut ein Team von ÄrztInnen, gemeinsam mit PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen und Pflegepersonal um die 300 Menschen täglich. Das Konzept wird also bereits gelebt und auch gerne angenommen, aber Medienberichte über den drohenden Verlust des Hausarztes, eine qualitative Verschlechterung der medizinischen Versorgung, bis hin zu erhöhten Selbstbehalten erzeugen Verunsicherung und Ablehnung in der Bevölkerung. Das ist schade, denn gerade die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Berufsgruppen unter einem Dach ermöglicht ÄrztInnen mehr Zeit für ausführliche Gespräche und eingehende Untersuchungen.


Derzeit stehen PatienInnen aufgrund von Krankheit, Urlaub oder Fortbildung ihrer HausärztInnen häufig vor verschlossenen Türen. Mit diesen Zentren wird eine kontinuierliche Versorgung gewährleistet. Schwerpunkte sind optimale medizinische Versorgung, Prävention und Stärkung der Gesundheitskompetenz. Vor allem chronisch kranke Menschen sowie Menschen aus sozial benachteiligten Umfeldern sollen von mehr Zuwendung und Unterstützung durch Gesundheits- und Sozialberufe profitieren. V


Doch warum stößt das, was in Skandinavien oder den Niederlanden bereits seit langem Selbstverständlichkeit ist, in Österreich auf derartigen Widerstand? Es ist einerseits eine Verunsicherung durch – bewusst gesteuerte – Medienberichte, die ein düsteres Zukunftsbild zeichnen, und andererseits das Festhalten an Hierarchien (mehr Kompetenzen in der medizinischen Versorgung für Pflegepersonal wird von einigen Medizinern als Bedrohung empfunden) sowie unklare Rahmenbedingungen und die Angst vor dem Verlust von Pfründen mancher Beteiligter. Was wir brauchen, ist gute Information, um Ängste abzubauen – erst dann wird eine konstruktive Herangehensweise möglich sein.