Bezirke
Navigation:
am 18. Februar

Klubobmann Wolfgang Orgler im Gespräch

Webredaktion Grüne Donaustadt - Der neue Klubobmann der Grünen, Wolfgang Orgler zu Lebensqualität, Grünraum und Lobau. Ein Interview in der Donaustädter Bezirkszeitung im Februar 2021.

Die Donaustädter Grünen haben mit Wolfgang Orgler einen neuen Klubobmann. Er folgt der langjährigen Klubobfrau Heidi Sequenz nach, die jetzt im Gemeinderat tätig ist. Im Interview beschreibt Wolfgang Orgler die Schwerpunkte der Donaustädter Grünen in der Bezirksarbeit.

Wolfgang Orgler, der neue Klubobmann der Donaustädter Grünen

dbz: Herr Orgler, wie war Ihr Einstieg in die Funktion des Klubobmanns?

Der Einstieg war überaus erfreulich. Die Donaustädter Grünen sind dank der Unterstützung der Wählerinnen und Wähler nun mit sieben Bezirksrätinnen und Bezirksräten vertreten, wir haben also zwei Mandate dazugewon nen. Wir setzen uns mit viel Energie für die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität im Bezirk ein.

dbz: Stichwort Verbesserung der Lebensqualität: Wo sind da aus Ihrer Sicht die wichtigsten Schwer‐ punkte?

Ein wesentliches Thema ist die Belastung durch Lärm und Schadstoffe aufgrund der unbefriedigenden Verkehrssituation. Der öffentliche Verkehr muss verstärkt ausgebaut werden, es braucht eine breite Anbindung und dichtere Intervalle, um den Umstieg vom Auto attraktiv zu machen. Leider haben die Wiener Linien mit der Ausdünnung der Intervalle an den Wochenenden und Feiertagen ein Signal in die falsche Richtung gesetzt. Auch bessere Radinfrastruktur, ein Netz an sicheren Radwegen in der Donaustadt, hilft beim Umstieg auf emissionsfreien Verkehr. Dazu findet sich im Koalitionsabkommen der Stadtregierung eine Vervierfachung des Budgets für den Radverkehr. Darauf werden wir genau schauen und mit entsprechenden Vorschlägen beitragen. Stichwort Koalitionsabkommen: Angekündigt wurde ein Konzept zur Parkraumbewirtschaftung bis Ende 2021. Hier braucht es unbedingt eine Regelung, damit die Parkplätze in der Donaustadt ihren Bewohner*innen zur Verfügung stehen. Auch das werden wir einfordern und uns genau ansehen.

dbz: Durch einen Beschluss der neuen Stadtregierung nimmt die Stadtstraße sehr konkrete Formen an, das Vergabeverfahren kann beginnen. Die Stadtstraße soll eine Verkehrsentlastung in der Donaustadt bringen. Wie stehen Sie dazu?

Es sind vier Fahrstreifen mit nur einer einzigen Ampelquerung vorgesehen, quasi eine Autobahn, die zu zusätzlichem Autoverkehr mit mehr Lärm‐ und Schadstoffemissionen führen wird. Eine Entlastung ist nicht zu erwarten, wenn sich dieser Verkehr beim Einleiten in die Südosttangente zurückstaut oder die Autofahrer bereits vorher abfahren und durch die Wohngebiete fahren. Für die Anbindung der neuen Stadtentwicklungsgebiete in der Donaustadt an die A23 fordern wir schon lange eine reduzierte Variante mit nur zwei Fahrstreifen, ohne Mittelstreifen und mit mehreren Ampelquerungen. Außerdem verlangen wir beleitende Maßnahmen für den öffentlichen Verkehr, für Radfahrerinnen und Radfahrer, Fußgängerinnen und Fußgänger, sowie einen effektiven Lärmschutz.

dbz: Die Lobau ist für viele Donaustädter*innen ein beliebtes Naherholungsgebiet. Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Erhaltung der Lobau?

Die Lobau ist uns ein Herzensanliegen. Es geht um ihre Erhaltung als Au‐Landschaft, die mit ihrer Artenvielfalt einen so wichtigen Beitrag zur Biodiversität leistet. In der Lobau schreitet die Verlandung voran, jährlich gehen 3,5 % der Wasserflächen verloren. Nur mit ausreichender zusätzlicher Wasserzuführung kann die Austrocknung verhindert werden. Dazu gibt es eine Reihe von erforderlichen Maßnahmen, wie die lang überfällige Außerbetriebnahme von nicht mehr erforderlichen Sperrbrunnen. Das sind Pumpen, die der Lobau Wasser entziehen. Die geplante zusätzliche Wasserzufuhr in die obere Lobau über die Panozzalacke ist eine weitere wichtige Maßnahme, die dringend umgesetzt werden muss. In der unteren Lobau dürfen Trinkwasserversorgung und Naturschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Lobau muss als Naturschutzgebiet ohne Untertunnelung erhalten bleiben. Da bleiben wir dran!

dbz: Viele Donaustädter*innen beklagen der Rückgang an Grün im Bezirk. Wie kann man hier gegensteuern?

Das ist ein wichtiges Thema. Aus unserer Sicht sind bereits ausreichend Flächen in der Donaustadt für Wohnbau gewidmet. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist wesentlich. Um die zunehmend hohen Temperaturen erträglich zu machen braucht es mehr Bäume zwischen den Häusern und mehr Pflanzen auf den Fassaden und Dächern. Der Baumbestand muss entsprechend gepflegt und erweitert werden. Das gilt auch für unseren Bezirk mit großflächigen grünen Lungen. Denn es geht um das Kleinklima dort, wo Menschen wohnen, arbeiten, lernen und sich fortbewegen. Es braucht jedenfalls Maßnahmen gegen Hitzeinseln, wie die Begrünung von versiegelten öffentlichen Flächen und beschattete Verweilmöglichkeiten im öffentlichen Raum.

dbz: Gibt es noch etwas, das Sie ansprechen möchten?

Ja, wir wollen den Kontakt zu lokalen Bürgerinitiativen und zur Zivilgesellschaft intensivieren. Als neues Format dazu haben wir eine Online‐Sprechstunde ein‐ gerichtet. Wenn es die Bedingungen wieder zulassen freuen wir uns schon sehr auf den persönlichen Kontakt mit den Donaustädter*innen.