Symposium: Die Lobau soll leben!

Ausgetrocknete Lobaulandschaft, feuchte Erde umrandet von Sträuchern und Bäumen

„Wasser für die Au – Erkenntnisse und Perspektiven der Wissenschaft“. Im April fand ein wissenschaftliches Symposium im Naturhistorischen Museum statt.

Anlass war die von den Grünen Donaustadt regelmäßig aufgezeigte katastrophale Austrocknung der Unteren Lobau. Wie sehr das Thema bewegt, zeigte sich am breiten Interesse an der Veranstaltung. Hier können einzelne Beiträge nachgehört werden: Beiträge Symposium

Nichtstun ist keine Option

Hochrangige Wissenschaftler:innen aus Botanik, Zoologie, Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft appellierten: der Unteren Lobau muss dringend mehr Wasser zugeführt werden. „Nichtstun ist keine Option!“ Wenn nichts passiert, droht die Austrocknung der Lobau, der Verlust der Auenlandschaft. Dann wird die Lobau zu einer Landschaft ohne besondere Arten und ohne Berechtigung für den Nationalparkstatus. Dessen Aberkennung ist dann nur eine Frage der Zeit. Die seltenen Tier- und Pflanzenarten kennzeichnen wertvolle, naturnahe Lebensräume. Sie sind unverzichtbar für das ganze Ökosystem. Der zahlenmäßige Rückgang und das Verschwinden mehrerer dieser Arten sind ein Alarmzeichen. Noch ist es nicht zu spät. Bei geeigneten Maßnahmen können sich die Bestände wieder erholen und eine in Mitteleuropa fast nicht mehr vorkommende Aulandschaft erhalten bleiben.

Hirschkühe bei Sonnenaufgang in der unteren Lobau
Bild: Kurt Kracher

Was muss geschehen?

Nach Donauregulierung und Kraftwerksbau ist die Lobau von Wasserzuführungen („Dotationen“) aus Alter oder Neuer Donau abhängig. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation in der Oberen Lobau zwar gebessert, aber das Wasser erreicht die Untere Lobau nicht. Thomas Hein (BOKU) und Werner Lazowski (wissenschaftlicher Nationalpark-Beirat) traten beim Symposium vehement für kontrollierte Versuchsdotationen ein. Doch Forstdirektor und Klimaschutz-Koordinator Andreas Januskovecz zeigte keine Einsicht: Jede Dotation würde die Qualität der – nur in absoluten Notfällen gebrauchten – Trinkwasservorräte im Grundwasser der Lobau gefährden. Eine Wasseraufbereitungsanlage komme nicht in Frage. Die Umweltökonomin Sigrid Stagl sieht einen Hoffnungsschimmer in Gesprächen von Wissenschaftler:innen mit Magistratsbeamt:innen. Ein Konsens muss gefunden werden, um diese jahrelange Pattstellung aufzulösen.

Vergebliche Bemühungen auf Bezirksebene

Die drohende Austrocknung der Lobau ist seit vielen Jahren Gegenstand von Anfragen und Anträgen in der Donaustädter Bezirksvertretung. Nach jahrelangen Vertröstungen soll die Wasserzufuhr in die Lobau über die Panozzalacke nun Realität werden. Bis zu 1.500 l/sec werden dann, gemeinsam mit der bestehenden Dotation, in die Obere Lobau fließen können. Doch auch laut dem neuen Wasserrechtsbescheid darf das Wasser nicht in die Untere Lobau weiterfließen. In der Bezirksvertretung haben wir eine versuchsweise, geringe Dotation unter strenger Kontrolle beantragt, um mehr Daten zu den Auswirkungen auf das Grundwasser zu erhalten. Doch diesem Versuch steht ein Wasserrechtsbescheid entgegen. Eine Änderung müsste durch die bürokratischen Mühlen der übervorsichtigen MA 31 und des Landwirtschaftsministeriums – mit ungewissem Zeithorizont.

Aber für die Lobau ist es fünf vor zwölf! „Der Handlungsbedarf wird immer dringender“, denn „aquatische Lebensräume ohne Wasser sind wenig zielführend“ und „ohne Wasser gibt es keine Fische“!

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