Sag mir wo die Felder sind

Wo sind sie geblieben?

Tür auf und laufen, aufs Fahrrad setzen und los – über den Schotterweg rechts oder das Feld links: Kindheitserinnerungen aus den 80er Jahren an die großflächig unverbaute Donaustadt. Wilde Wiesen, viele Felder, kleine Wäldchen und Hecken, in denen man stundenlang herumstreunen konnte. Hatte man Lust zu schwimmen, gab es genug Möglichkeiten: vom kleinen Schotterteich über Kaiser- oder Mühlwasser bis hin zum altehrwürdigen Gänsehäufel.

Verschwendung von Natur

40 Jahre später steigt der Druck auf die Donaustadt, die noch verbliebenen Grünflächen zu versiegeln. Es wird mit leistbarem Wohnen im Grünen geworben und dabei vergessen, dass die Verbauung den versprochenen Grünraum verringert. Zusätzlich werden neue Straßen notwendig, weil leider auch bei den neu geplanten Projekten immer die Erreichbarkeit mit dem Auto im Mittelpunkt steht und die neuen Bewohner:innen ja auch versorgt werden müssen. Der öffentliche Verkehr in der Donaustadt ist vor allem an der Peripherie schlecht ausgebaut und sichere Radwege vermisst man in weiten Teilen des Bezirks.

Bei der Verbauung in ganz Wien entsteht der Eindruck, dass diese ohne klaren Plan durchgeführt wird. Eine Evaluierung von Bedarf und Leerstand findet nicht statt und die nächste grüne Fläche soll umgewidmet werden, ohne zuvor auf bereits gewidmete Flächen zurückzugreifen.

Stadtstraße Baustelle von oben mit der STRABAG Lagerhalle
Bodenzerstörung am Hausfeld

Lösungsansätze

Dabei gäbe es einige Möglichkeiten, die Verbauung von Grünraum zu reduzieren und damit den Auswirkungen der Klimakrise entgegenzuwirken. Leerstand, den es in der Stadt zuhauf gibt, muss etwas kosten, damit dieser genutzt wird. Auch Eigennutzung von Eigentum, wie sie gerade in Amsterdam eingeführt wird, könnte den Wohnungsmarkt entlasten. Dort entsteht eine Verpflichtung, eine Wohnung vier Jahre selbst zu nutzen, bevor sie weitervermietet werden kann. Damit wird Spekulation mit Wohnraum ein Riegel vorgeschoben. Wohnraum soll dort entstehen, wo keine neuen Straßen errichtet werden müssen und bereits eine öffentliche Anbindung besteht. Wir müssen Fragen stellen wie:

  • Wo soll neuer Wohnraum geschaffen werden?
  • Was sind die Mobilitätskonzepte von morgen?
  • Wie gewährleisten wir ein soziales Miteinander?
  • Wie viel zusätzliche Bodenversiegelung ist erträglich?

Für die Verbauung müssen wir auf bereits versiegelte Flächen zurückgreifen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, Landwirtschaft und Natur auch im städtischen Raum Platz zu geben und entsprechend wertzuschätzen.

Denn eines ist fix: So wie vor 40 Jahren ist es nicht mehr und wird es nie wieder sein. Daher müssen wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, damit nicht nur schöne Erinnerungen bleiben, sondern auch heute ein lebenswertes Dasein möglich ist. Unsere Nachkommen haben ein Recht darauf, dass wir ihnen ein Wien überlassen, das sich an die Auswirkungen der Klimakrise anpasst und nicht zu einer großen, zubetonierten Hitzeinsel mutiert.

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