Radwegoffensive in der Donaustadt

Die Stadt Wien und die Bezirksvorstehung Donaustadt haben im Februar 2022 das Radwegeprogramm für die nächsten zwei Jahre präsentiert. Wir haben uns die Pläne angesehen.

Für den Ausbau der Radwege in der Donaustadt werden keine Autofahrspuren reduziert. Immerhin weichen nun endlich Parkplätze umweltfreundlicher Mobilität. Jahrzehntelange war das unmöglich, bei jedem unserer Anträge haben die anderen Parteien heftig um jeden einzelnen Parkplatz gekämpft. Die Einführung des Parkpickerls macht nun einiges möglich, denn dadurch wird der Bedarf an Parkplätzen geringer. Mit diesem Radwegkonzept wird dieser freiwerdende Platz nun auch sinnvoll im Sinne der Fußgänger und Radfahrer umgestaltet.

Wagramer Straße

Die Pläne für den Zweirichtungsradweg auf der Wagramer Straße von der Arbeiterstrandbadstraße über die Kagraner Brücke im Jahr 2022 und bis zum Kagraner Platz im Folgejahr wurden nun konkretisiert. 2023 wird in der Wagramer Straße der Zweirichtungsradweg vom Rennbahnweg bis zur Seyringer Straße ebenfalls verlängert. Die Ausführung mit baulicher Trennung von Autos und Fußgänger:innen ist zu begrüßen. Es ist vollkommen unverständich, dass es für den Autoverkehr weiterhin mindestens drei Fahrspuren bleiben. Im Wiener Klima-Fahrplan der Stadtregierung ist die Halbierung des motorisierten Individualverkehrs (siehe Seite 42) in den nächsten acht Jahren festgelegt. Damit macht es keinen Sinn weiterhin Geld in Autostraßen zu investieren, die in Zukunft nicht mehr gebraucht werden. Dadurch ist es auch kaum möglich bestehende Grünflächen zu erhalten oder neue zu schaffen.

Kagraner Brücke/Wagramer Straße: neue 2-Richtungs-Radwege

der gemeinde-radweG in die innenstadt

Wagramer Straße, zwischen Siebeckstraße und Kagraner Platz

Die Stadtregierung verkündet im Zusammenhang mit dem Radweg auf der Wagramer Straße Wiens den „1. Mega-Radhighway“ vom Kagraner Platz in die City. Eine Autobahn ist durchgehend baulich getrennt, bietet viel Platz und hat keine Kreuzungen und Ampeln. Die auf den Bildern gezeigte Erweiterung und die bestehenden Radwege haben jedoch rein gar nichts mit einem Highway zu tun.

Donaustadtstraße: neue 2,5 Kilometer lange Radverbindung
Donaustadtstraße: neue 2,5 Kilometer lange Radverbindung

Donaustadtstraße

In der Donaustadtstraße wird zwischen Donauzentrum und Lange Allee bis 2023 ein Zweirichtungsradweg errichtet. Das ist sehr erfreulich, weil der bestehende Radweg auf der anderen Straßenseite schmal ist, Fußgänger:innen ihn mitbenutzen müssen und er bei der Arminenstraße unvermittelt aufhört.

Auf der Erzherzog-Karl-Straße, zwischen Wagramer Straße und Industriestraße, werden 2023 baulich getrennte Radwege auf beiden Seiten kommen. Später wird bis zur Donaustadtstraße verlängert. Hoffentlich gleich anschließend, denn momentan gibt es dort gar nichts für Radfahrer:innen.

In der Nebenfahrbahn der Erzherzog-Karl-Straße von der Vernholzgasse zur Stadlauer Straße kommt nun auch endlich der Lückenschluss. Bisher sind Radfahrer:innen dort ratlos gestanden und wussten nicht, wie sie legal weiterfahren können.

Erzherzog-
Karl-
Straße

Breitenleer Straße: eingefärbte Fahrstreifen für Bus- und Radverkehr
Breitenleer Straße: eingefärbte Fahrstreifen für Bus- und Radverkehr

Breitenleer Straße

Auf der Breitenleer Straße werden zwischen dem Kagraner Platz und der Ludwig-Reindl-Gasse beidseitig rot eingefärbte Fahrstreifen eingerichtet, die von Bussen und Radfahrer:innen befahren werden dürfen. Das ist eine Verbesserung, denn bisher können Radfahrer:innen nur direkt neben den Autos fahren. Aber sicher ist die Lösung leider nicht. Es gibt viele Eltern, die ihre Kinder dort nicht fahren lassen. Angeblich gibt es nicht genügend Platz für einen eigenen Radweg. Wenn man sich die Strecke auf dem Plan ansieht, stellt man aber fest, dass wohl eher nur der Wille fehlt. Gerade an der engsten Stelle, zwischen Kagraner Platz und Am Langen Felde, ist ein Einrichtungsradweg vorgesehen und mündet dann erst in die Busspur, wo eigentlich mehr Platz vorhanden ist. Das ist nicht verständlich.

Es ist sinnvoll, dem öffentlichen Verkehr Vorrang einzuräumen, aber baulich getrennte Radwege sind gegenüber der Mitbenützung einer Busspur zu bevorzugen. Gehsteige, Radwege, Busspuren und Fahrspuren für den Autoverkehr haben eine Breite von ca. 22 Metern. Dafür ist fast durchgängig Platz, deshalb ist nicht nachvollziehbar, weshalb keine baulich getrennten Radwege vorgesehen werden.

Auf dem Plan für 2023 steht der Lückenschluss von der Ludwig-Reindl-Gasse bis zum Zwerchäckerweg. Hier war schon bisher in Richtung Gewerbepark die Busspur befahrbar, in der Gegenrichtung musste man sich als Radfahrer:in die Fahrbahn mit anderen Verkehrsteilnehmer:innen teilen. Demnach wird es in Zukunft beidseitig eine Bus- und Radspur geben.

Sehr positiv ist, dass auch der Rest der Breitenleer Straße bald mit Radinfrastruktur versorgt wird, zum Beispiel 2023 vom Schafgarbenweg bis zur Stadtgrenze.

Rennbahnweg

Auf dem Rennbahnweg wird zwischen Wagramer Straße und Ludwig-Reindl-Gasse ein Zweirichtungsradweg angelegt. Damit ist die wichtige bauliche Trennung gegeben.

Kaisermühlenstraße

Von der Kaisermühlenstraße beim Effenbergplatz zum Kaisermühlendamm wird der Zweirichtungsradweg zur Donauinsel verlängert. Die bisherige Lösung zwingt Radfahrer:innen die Straßenseite zu wechseln und bei der Ampel zu warten. Es ist wesentlich attraktiver gleich weiter geradeaus fahren zu können.

Stadlau

Die Schickgasse wird von der Hardeggasse bis zur Stadlauerstraße verkehrsberuhigt und fahrradfreundlich gemacht, allerdings ohne bauliche Trennung. In der Langobardenstraße kommt der Lückenschluss von der Konstanziagasse zur Vernholzgasse. Die Erreichbarkeit von Stadlau mit dem Rad wird damit verbessert, nur innerhalb von Stadlau bleibt die Stadlauer Straße weiterhin unattraktiv fürs Radfahren.

Mayredergasse

In der Mayredergasse kommt zwischen Breitenleer Straße und Lackenjöchelgasse ein Radweg, indem der bestehende Feldweg befestigt wird. Es ist sehr sinnvoll auch in dünner besiedelten Gebieten Infrastruktur für Radfahrer:innen zur Verfügung zu stellen, daran haben die Verantwortlichen bisher meist nicht gedacht, und wenn, dann war es oft zu spät und kein Platz mehr vorhanden.

Wir wollen mehr davon!

Endlich wird das aufgestockte Budget der Stadt Wien für Radwege auch ausgegeben, bisher ist viel liegengeblieben. Es ist sehr erfreulich, dass aufgrund der Einführung des Parkpickerls nicht mehr gebrauchte Parkplätze zügig zu Platz für Menschen umgebaut werden. Es ist zu verhindern, dass Anrainer:innen ihre Parkgaragen aufgeben und erst wieder öffentliche Parkplätze vollstopfen.

Die geplanten Radwegprojekte nehmen sich vieler schmerzenden Stellen an, die schon lange danach rufen endlich umgesetzt zu werden. Es ist zu befürchten, dass die Qualität der Planungen nicht die bestmögliche im Sinne der Radfahrer:innen und Fußgänger:innen ist. Denn das Pradigma, dass sich für die fahrenden Autos nichts verändern darf, gilt leider immer noch. Dennoch stimmt die grundsätzliche Richtung und es ist zu hoffen, dass es im Jahr 2024 mit voller Kraft so weiter geht. Die Hauptradrouten sind noch lange nicht lückenlos und sicher befahrbar, es gibt noch viel zu tun.

Im Vergleich dazu, wie wenig bisher für den Radverkehr in der Donaustadt gemacht wurde, ist die Bezeichnung Mega-Radweg-Offensive durchaus angebracht. Das ist zwar traurig, aber immerhin kommt jetzt anscheinend Schwung in die Sache. Es gibt schon lange ein Hauptradverkehrsnetz (https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/verkehrsplanung/radwege/hauptnetz.html), für das die Stadt Wien zuständig ist. In diesem klaffen auch nach dieser Mega-Offensive weiterhin große Lücken. Das Budget wurde von EUR 6 Millionen auf EUR 20 Millionen erhöht. Das muss jetzt auch rasch und konsistent in die richtigen Maßnahmen investiert werden.

Weitere Informationen zum Thema:

Stadt Wien: https://www.wien.gv.at/verkehr-stadtentwicklung/radwegoffensive-donaustadt.html

Presseaussendung der Stadt Wien zur Radweg-Offensive Donaustadt: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20220217_OTS0104/simanevrivypipal-leixner-groesste-radwegoffensive-in-der-geschichte-der-donaustadt

Mobilitätsagentur Wien: https://www.fahrradwien.at/2022/02/17/radwegoffensive-donaustadt/

Stadt Wien Radwegoffensive Donaustadt: https://www.wien.gv.at/verkehr-stadtentwicklung/radwegoffensive-donaustadt.html

Der Standard: Neue Radwege in Wien Donaustadt: https://www.derstandard.at/story/2000133447321/neue-radwege-in-wien-donaustadt-auch-dank-hunderter-wegfallender-parkplaetze

Wiener Klima-Fahrplan: https://www.wien.gv.at/umwelt-klimaschutz/klima-fahrplan-2040.html

Link zu unserem Radweg-Konzept: https://donaustadt.gruene.at/verkehrskonzept

Update: Analyse der Radlobby Wien zur Radschnellverbindung Nord: https://www.radlobby.at/praterstrasse2022

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