Fischsterben in der Lobau: Warnsignal für ein sensibles Ökosystem
Unzählige tote Fische in der Lobau schockierten im Februar die Donaustädter:innen. Es gibt Lösungen, um ein weiteres Fischsterben in der Lobau zu verhindern. Die Politik muss jetzt handeln.
In den letzten Februartagen sorgten alarmierende Berichte aus der Lobau für große mediale Aufmerksamkeit. Nachdem die Eisdecke auf den Gewässern der Unteren Lobau abgeschmolzen war, bot sich ein erschütterndes Bild: Große Mengen qualvoll erstickter Fische kamen zum Vorschein. Das sogenannte „rätselhafte Fischsterben“ wirft drängende Fragen auf – und lenkt den Blick auf tiefgreifende ökologische Veränderungen in einem der bedeutendsten Naturräume Österreichs.
Ursachen für das Fischsterben in der Lobau: Sinkender Wasserspiegel und fehlende Dynamik
Ein zentraler Faktor ist die fortschreitende Eintiefung der Donau seit der Errichtung des Kraftwerk Freudenau. Durch diese Entwicklung gräbt sich der Fluss immer tiefer in sein Bett ein. Die Folge: Die unterirdische Speisung der Lobau mit Donauwasser wird massiv reduziert. Dieses Absinken des Wasserspiegels gefährdet nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch das Grundwasserwerk Lobau, das eine wichtige Rolle in der Trinkwasserversorgung spielt.

Besonders dramatisch ist die Situation in der Unteren Lobau. Anders als in der Oberen Lobau fehlt hier die regelmäßige Zuleitung von Wasser aus Alter und Neuer Donau. Ohne ausreichende Wassereinspeisung verschlammen und verlanden die Gewässer zunehmend. Es entstehen seichte, stehende Gewässer, die im Winter besonders anfällig sind: Bildet sich eine dicke Eisschicht, wird der Sauerstoffaustausch stark eingeschränkt. Der Sauerstoffgehalt sinkt rapide – mit fatalen Folgen für Fische und andere Wasserorganismen.
Das aktuelle Fischsterben ist daher kein isoliertes Ereignis, sondern Symptom eines strukturellen Problems: eines schleichenden ökologischen Ungleichgewichts.

Mögliche Lösungen: Technisch machbar, politisch herausfordernd
Um die ökologische Funktion der Lobau langfristig zu sichern, stehen mehrere Maßnahmen zur Diskussion.
Eine Möglichkeit wäre, die Eintiefung der Donau auf das Niveau von 1996 – dem Jahr der Gründung des Nationalpark Donau-Auen – zurückzuführen. Technisch gilt eine solche Maßnahme als machbar. Sie würde die natürliche Wasseranbindung verbessern und die hydrologische Stabilität der Lobau stärken. Allerdings wäre dieses Vorhaben mit erheblichen Kosten verbunden. Expert:innen bemängeln, dass die notwendige Investition bislang nicht die politische Priorität erhält, die einem Nationalpark von internationaler Bedeutung angemessen wäre.
Ein weiterer Lösungsansatz besteht darin, die Untere Lobau von stromaufwärts über das Mühlwasser gezielt mit Wasser aus Alter und Neuer Donau zu versorgen. Dieses Projekt wird jedoch seit rund zehn Jahren wegen einer mathematischen Modellstudie blockiert. Demnach könnte jeder zusätzlich eingeleitete Tropfen Wasser die Hygiene der Trinkwasserbrunnen gefährden.
Nach langen und zähen Verhandlungen zwischen Vertreter:innen der Wissenschaft, Umweltorganisationen (NGOs) und politischen Akteur:innen – insbesondere uns Grünen – werden nun neue Modellrechnungen und Wasseruntersuchungen durchgeführt. Erste belastbare Ergebnisse werden jedoch frühestens im Jahr 2027 erwartet.

Noch wirksamer wäre es, die Lobau beim sogenannten „Schwarzen Loch“ mit einer Wehr zur Donau hin zu öffnen. So könnte die Renaturierung des Gebiets wirklich gelingen. Allerdings müsste dafür eine Wasseraufbereitungsanlage, die in wenigen Jahren sicher verpflichtend erforderlich sein wird, errichtet werden: Vor 20 Jahren wäre es schon so weit gewesen. Doch die fertigen Pläne für die schon teilweise finanzierte Anlage „Kleehäufel“ verschwanden in einer Schublade.
Ein Weckruf für Politik und Gesellschaft
Das Fischsterben in der Lobau ist mehr als ein tragischer Einzelfall. Es ist ein deutliches Warnsignal für die zunehmende Beeinträchtigung eines sensiblen Ökosystems. Die Lobau ist nicht nur ein bedeutendes Natur- und Erholungsgebiet für Wien, sondern auch ein zentraler Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes.
Die aktuellen Ereignisse zeigen: Ohne entschlossene Maßnahmen zur Wiederherstellung einer funktionierenden Wasseranbindung drohen weitere ökologische Schäden. Die Frage ist daher nicht, ob gehandelt werden kann – sondern ob rechtzeitig und mit ausreichendem politischem Willen gehandelt wird.
Wir Grüne bleiben jedenfalls dran!
Auf der Seite des Lobaumuseum – Verein für Umweltgeschichte findest du weitere Informationen zum Zustand der Lobau und zum Fischsterben: Lobaumuseum.
Hier findest du ebenfalls Informationen zur Lobau und unsere Strategie zur Rettung der Lobau: